Erinnerungen

Es sind 8 Monate vergangen, seid ich meinen Weg zurück nach Hause gefunden habe. Ich möchte keinen Atemzug, den ich in diesem anderen, fremden Leben getan habe, missen. Ich möchte keinen Augenblick, den ich mit neuen und doch so vertrauten Personen erlebte, unentdeckt machen.

Was ich dort erfahren habe, ist Zuneigung. Ich bin Teil einer Familie geworden, in der man eingehüllt war von Verbundenheit und tiefer Wertschätzung, sie hat mich umgeben - schützend, beruhigend. Und zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich das Glück erleben, Liebe zu sehen und wahrzunehmen. Es war ein Moment, ein Abend im Dezember, der Kamin sandt warmes rotgoldenes Licht und ein leichtes Knistern verriet das sanfte Spiel der Flammen. Ich saß auf dem weichen Teppich der eine eine helle beige Tönung aufwies und wenn man mit den Fingern über das zarte Gebilde strich, so blieb eine leichte Andeutung der eben gefahrenen Spur zurück. In mir war der Gedanke, ob es im Leben genauso ist, ob der Weg, den man einschlägt, einen Abdruck hinterlässt, zuerst in mir, dann auch auf dem Pfad Anderer, Personen, die mir begegnen, die ich sehe und die auch mich wahrnehmen, die ich berühre, und die auch meine Seele fesseln. Ich strich eine lange, verschlungene Bahn, Kurven und Engpässe, Weite und Ferne, eine Einbahnstraße. Fuhr ich den denselben Weg zurück, so verschwand meine Spur, sie wurde unsichtbar, ausgelöscht. Ich legte meine Hand flach auf das seidige Material, dass sich willig anpasste und geschmeidig nachgab. Ich dachte, das ist ein Augenblick der totalen Wahrnehmung. Berührung.

Hannah saß zu meinen Knien, lehnte sich leicht an mich und las mir aus einem Buch vor, eine Geschichte, die von kindlicher Unbeschwertheit zeugte; sorgenfreie Assoziationen und märchenhafte Akzente. Es war als legte sich ein schwerer Friede auf mich, ausgelöst durch die weiche, leicht zitternde Stimme dieses Kindes, das sich in völliger Hingabe in der Geschichte verlor und aufgeregt jede neue Seite möglichst schnell umblättern wollte, um zu erfahren, welche bildlichen Eindrücke noch kommen mögen, welch Worte sie weiter verzaubern mögen und hinweg tragen, in eine sagenumwobene Welt. Ich betrachtete noch immer den Kontrast meiner Hand auf dem weichen, federgleichen Beige des wärmenden und schützenden Untergrundes, während draußen ein mehliger Schleier über dem Boden hing, der nur ab und an eine leicht rosige Tönung annahm, wenn hinter mir eine neue Flamme, die Farbe reifer, praller Tomaten, kräftig aufstieß und sich im Fensterglas spiegelte.

Und während meine Gastmutter auf dem Sofa vor mir lag und ebenfalls ein Buch in den Händen hiet, versunken, wie in einem regelmäßigen Takt, Seite um Seite umschlug und ihr tiefer Atem in dem Knistern des Holzes versank, hörte man aus der Küche leichte, aber wahrnehmbare Geräusche, die sich in die gruhsame Geräuschkulisse einfanden und Teil unseres gemeinsamen Empfindens wurden.

15.3.09 04:14, kommentieren

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A Verona

Ciao ragazzi,

ich habe ein Wochenende erlebt, das an Spannung, Aufregung, Sonnenschein und gemachten Persönlichkeiten nicht zu überbieten ist. Die Geschichte nahm seinen Anfang am Freitag, den 20.06.08, um 8.35 h, als ich in das Auto kletterte, Sarah abholte und wir gemeinsam 211 Kilometer südöstliche Richtung zurücklegten. Unsere Reise führte uns nach Verona, der Stadt mit der schönsten Opernbühne Europas, dem wohl tradionellsten und delikatesten Kuchen Italiens, dem Pan d'Oro, und nicht zuletzt mit der wohl tragischsten Liebesgeschichte unserer Zeit. Der Balkon der Julia ließ erahnen, welch nächtlichen Qualen Romeo ausgesetzt sein musste, um dort hoch zu gelangen und seiner wartenden Geliebten in die Arme sinken zu können. Und ich konnte den Schmerz des Paares förmlich fühlen, als es am nächsten Morgen, noch bevor die Sonne aufging, Zeit war Lebewohl zu sagen, ungewiss, ob sie sie wiedersehen würden. Ein tiefer, mitleidender Seufzer entrang sich mir.

Bis die Entzauberung kam und Sarah ganz trocken zu mir sagte:

"Laura, der Balkon ist nicht echt. Den haben sie da ran gesetzt, damit die Touristen was zum seufzen haben. Begreif doch, die Geschichte ist erfunden!" Wie unsanft man in die Realität geschubst werden kann. Tragisch aber wahr: Das Haus kaufte die Kommune 1905 und man erklärte es kurzerhand zu jenem der Familie Capuleti, aus der Julia stammte - einfach weil es in Besitz der Familie Dal Capello stand und dieser Name doch dem der Capuleti so ähnlich sei und weil durch Buchstabenverschiebung es doch gewesen sein könnte, dass... - so argumentierten zumindest jene Personen, die für den Ankauf zuständig gewesen waren. Eine touristische Sensation war geschaffen und - na klar - ausgebufftes Marketing tat den Rest um träumerisch romantischen Menschen (Ich!) vorzugaukeln, die wahre Liebe existiere und komme selbst an diesem Balkon vorbei. Und doch, der Platz besaß für mich trotz allem die Aura einer unglücklichen Liebesgeschichte, ich konnte mir das damalige Leben auf den verwinkelten Etagen, den engen Stiegen und zwischen den hohen Mauern lebhaft ausmalen.

 

So verbrachten wir noch den restlichen Tag in Verona Stadt, besahen alte Türme, Brücken und Burgen, vergnügten uns in der Shopping-Meile, aßen ein wahrhaft schlechtes Mittagessen und ein unglaublich gutes Eis (weil bestehend aus 70% Sahne und 30 % Zucker). So gestärkt und noch ein bisschen hübscher gemacht, als die Natur uns eh schon hervorgebracht hat, gingen wir dann des Abends auf die Piazza Brá um in der Arena die Verona die Oper "Aida" mitzuerleben. Die Vorstellung begann um kurz nach 9, auf unseren Plätzen (Steinefelsen!) saßen wir schon um 8. Frohen Mutes belächelten wir die alten Damen und Herren um uns herum, die sich ein Sitzpolster mitgebracht hatten, lächerlich, wir sind junge Dinger und so ungaublich hart im Nehmen! Son paar Stündchen auf nem Felsen zu sitzen wird schon nicht das Problem sein.

 

Die Sonne versank hinter unseren Rücken, ein dunkelroter abendlicher Schleier legte sich über die Arena und jeder Besucher zündete eine kleine Kerze an, die er am Eingang überreicht bekommen hatte. Ich habe in meinem Leben selten etwas gesehen, was mich so berührt hat. Die Arena, die immerhin Platz für 22.000 Menschen bietet, erstrahlte in einem unaufdringlichen, aber einnehmendem Licht. Das matte Rot, das noch über uns lag, hüllte die Umrisse der Altstadt in einen goldenen Schleier und ich war in diesem Moment unendlich dankbar.

Die Vorstellung begann mit einigen Glockenschlägen, die Kerzen erlischen, die Bühnenlichter erstrahlten und die ersten Töne erklangen. Ich war sehr berührt, weniger von den Worten, denn durch das alte, prosaische Italienisch war es mir dann doch way too anstrengend gleichzeitigen hören, sehen und übersetzen zu müssen. Doch die Darstellung war, besonders durch die tänzerischen Elemente, umwerfend schön. Ich genoss dies alles sehr. Bis, schätzungsweise halb 11, mein Po anfing unendlich wehzutun. Doch Frau beißt die Zähne zusammen und nimmt den Schmerz auf sich, wenn nicht für die Kultur, wofür dann? Autsch! Es wurde halb 12. Hey, nur die Harten kommen in den Garten. 12. Protagonist in diesem Drama: Mein Hintern. Halb 1. Kann ich überhaupt noch was fühlen? 1. Maaaammmma mia! Halb 2. Schluss, aus, empty, basta, finito. Nein, nicht das Stück, aber wir. Und so schlichen wir uns unauffällig auffällig aus der Arena. Okay, ich habe nicht mehr mitbekommen, wie da jemand eingemeißelt wird, aber hey, ich darf stehen.

So wanderten wir noch ein wenig durch die Stadt um das abendliche Flair einzufangen, ehe es zum Auto ging und wir Richtung Gardasee weiterfuhren, denn wir hatten uns fest vorgenommen, am nächsten Morgen am Wasser zu erwachen. Die Fahrt dauerte nicht lange, wir suchten uns das nächstgelegene hübsch aussehende Fleckchen Erde, stellten uns Mitten in die Pampa, verriegelten die Autotüren und schliefen ersteinmal den Schlaf der Gerechten. Oder der Geschundenen. Mein Po jedenfalls weiß, was er geleistet hat.

Wir verbrachten den Vormittag in Sirmione, lagen am Ufer, planschten im Wasser und ließen es uns gutgehen. Leider mussten wir viel zu früh den Rückweg antreten, denn einige von uns (ich nicht, ich lebe bequem ) mussten noch arbeiten. Noch vollkommen high von den vielen wunderschönen Erlebnissen kam ich zu Hause an und macht es mir grade gemütlich, als der Anruf kam. Und ich mich ersteinmal setzen musste. Autsch. Verdammt.

2 Kommentare 23.6.08 12:50, kommentieren

Sonne im Herzen

Es ist ein wunderschöner Tag, das Blau des Himmels ließe sich am Besten als eine strahlend einnehmende, Glücksgefühle-auslösende, berauschende Drogen-Nuance beschreiben. Ich suche nach Synonymen für euphorisch und ja, ich bin eindeutig "ekstatisch", "high", "flash", "unzurechnungsfähig"!

 

 

2 Kommentare 13.6.08 14:38, kommentieren