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eine "harte" woche ;)

Zu meiner gnadenlosen Schande muss ich Revision einlegen und mein eigenes niedergeschriebenes Gedankengut korrigieren und aufpolieren: Ich muss mich nicht länger vor einer unverzüglichen Demission fürchten, die lediglich aufgrund meiner amüsanten Erscheinungsform in der Nähe von Männer- und alkohollastigen Interessensgemeinschaften zu Tage treten könnte. Ich befürchte viel mehr, jetzt ist der Punkt erreicht, an dem wirklich alles gesagt und getan worden ist. Und ich lebe noch immer froh und munter in meiner heiß geliebten Chiggolo-Savanne vor mich hin.

Dass diese Erkenntnis der wahre Höhepunkt einer so unglaublich skurrilen Woche werden würde, hatte ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Wahnvorstellungen (das sind dann immer die, in denen italienische Männer in den Statisten- bis Nebenrollen auftauchen) vorzustellen gewagt. Wie unbeschwert ging ich doch Montagmorgen meinen Weg Richtung Sprachschule. Nichts ahnend bahnte ich mir meinen Weg, teilte die Meere und wässerte die Wüste. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall war ich also dabei, zu meinem Stammcafé zu eilen, um mit einer Freundin den traditionellen Vor-
Unterrichtsbeginn- noch- einmal- Koffein- und- Zucker- Schock- zur- besseren- Aufnahme- und- wieder- Vergessens- des- nun- gleich- folgenden- Lernstoffes- hallo- ich- war- 13- Jahre- lang- in- der- Schule- und- bin- nun- leider- Lernresistent- Cappuccino zu trinken. Merkwürdigerweise beschlich mich da schon ein leises Gefühl, dass ich nicht ganz allein auf dieser Welt bin. Genauer gesagt hier in Italien. In Varese. In dieser Straße. In dieser Ecke. Aaaahhh! Mamma Mia. Holt mich hier raus! Leicht panisch weil ich nun schon seit 5 Gassengängen verfolgt wurde, beschleunigte ich meine Schritte, um dem Unausweichlichen entkommen zu können. Da war es auch schon zu spät und ein junger Mann stand vor mir und musterte mich aufmerksam und leicht neugierig (Beine, Arsch, Beine, Arsch, Brust, Beine, Arsch, Brust, Gesicht) Na danke, bevor er überhaupt zu Wort kommen konnte, hatte ich ihm schon hingeblättert, dass ich nicht von hier käme und leider kein Wort Italienisch sprechen könnte. Dummerweise, und dieser Fehler ist mir leider erst hinterher wirklich aufgegangen, der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier, kam meine doch so super wohldurchdachte Abfuhr auf Italienisch. Und während ich mich noch wunderte, wie er darauf käme, dass ich doch ein wenig seiner Landessprache verstehen konnte, hatte er mir sein Anliegen vorgetragen. Er probierte es auf Englisch: „I need a girl who beats me. Me and my friends have a bet, we want to remake a movie and now I’m searching for a girl, who hits me.” Ich: “Why?” Er:”It´s a bet” Ich:”Yeah, I know, you already said, but why do I have to beat you?” “Er:”Because it´s fun.” Ich:”Aha. And where shall I beat you?” Er:”In my bdksjhs” Ich:”häh? Come scusi?!” Er:”in my balskdnd” Ich:”Aha” (war mir zu peinlich noch mal nachzufragen, würd ich schon irgendwann noch mal rausbekommen, bis auf weiteres glaubte ich “bottom” verstanden zu haben)

Nun ja, irgendwie war der Kerl ja doch ganz nett, und prinzipiell hätte ich nun auch nichts dagegen gehabt ihm eine zu scheuern. Bitte, wenn ich ihm damit einen Gefallen tun kann, wieso nicht?! Also nahm ich in mit ins Café und erzählte meiner leicht verdutzt dreinschauenden Freundin, wen ich da aufgelesen hatte. Er erzählte noch einmal von seinem Vorhaben, für das er meine Unterstützung bräuchte und fragte ob meine Freundin das ganze filmen könnte, natürlich würde man mich nicht sehen, immerhin seien dann ja nur meine Beine zu sehen. Moment einmal. Es ratterte und knatschte in meinem Kopf und ich fragte mich ernsthaft wo zum Teufel ich ihn schlagen sollte, wenn man nur unsere Unterkörper sehen könnte… Und es dauerte gewiss geschlagene 8 Minuten, bis ich der ganzen Bandbreite gewahr wurde. „In my balls“ Na klar. Logisch. Ratter. Knatsch. In seine Bälle? Was? Bälle? Wie, häh? Bälle… Bälle!!! In seine Eier?! Ich habe ja schon viel erlebt, aber dass ein junger Mann mich auf offener Straße anspricht und mich bittet ihm ordentlich in seine empfindlichste und inoperabelste Gegend zu treten, das war selbst für mich eine ganz neue Erfahrung. Ich habe ihn weggeschickt. Schweren Herzens. Wäre sicherlich spaßig geworden. Aber ich schlage nun einmal nur Menschen, die es auch verdient haben Obwohl…vielleicht hätte ich ihm eine mit der Bratpfanne über den Schädel ziehen sollen, dann wären wohlmöglich einige verrückte Dinge wieder ins Lot gebracht worden.

Apropos Bratpfanne: Zurück aus dem Kurs und vollends beschäftigt mit Stehen und Warten auf meinen Bus, sah ich aus den Augenwinkeln, wie ein Mann auf mich zusteuerte. Nein, dachte ich nur, nein, nein, nein das kann jetzt nicht wahr sein, nicht noch einer, nein, mach dass er weiter geht, mach dass nicht ich… Zu spat: „Auguri!“ „Häh?!“ „Auguri Auguri!“ „Come?“ „Auguri! Have a nice day! Happy Birthday! Auguri Auguri”

Ratter, Schäpper. Häh?!

Bevor ich auch nur ansatzweise begreifen konnte, was mir da eben widerfahren war, hatte sich der Mann schon wieder dem Gehen zugewendet und verschwand langsam aus meinem Blickfeld. Einigermaßen unverstanden starrte ich dem Mann hinterher, als ein ebenso körperlich geschnittenes menschliches Exemplar an mir vorbeilief, sich wieder umdrehte, zu mir kam, ein souveränes „nice legs“ hinlegte, wiederum Kehrt machte und leichten Fußes davon marschierte. Hoffentlich zu seines Gleichen. Oder bin ich diejenige, die hier grade etwas nicht versteht? Es dauerte keine 10 Sekunden, da fand mein Alleinsein ein erneutes abruptes Ende. Zur Abwechslung war die Hilfe gegen meine Monophobie dieses mal weiblich. Eine Frau Mitte 40, die sich mir als Stella vorstellte und erzählte, sie hätte eine Tochter in meinem Alter, die Englisch lerne. Sie würde sich freuen, wenn ich mal zum Essen in ihr Heim kommen würde, um ihre Familie kennen zu lernen und mit ihrer Tochter eine Freundschaft aufzubauen. Ich fragte nicht mehr. Egal. Alles egal. Oh man, mein Bus.

Ich hatte noch nicht einmal die Haustür aufgeschlossen, als mir schon die Schallwellen des klingelnden Telefons entgegenkamen. Am anderen Ende: Darf ich vorstellen: André, “Contractual Agent” im “European Centre for the Validation of alternative Test”, “Institute for Health and Protection”, kurz IHCP der “European Commisssion”.

Puh.

André ist ein Arbeitskollege meiner Gastmutter. Er kommt aus Hamburg und ist ebenfalls seit Oktober hier in der Nähe in besagtem Institut tätig. Wir hatten schon einmal das Vergnügen, ich habe ihn kennen gelernt, als er meine Gastmutter einmal nach Hause begleitete, um ihr bei den Vorbereitungen einer geschäftlichen Reise zu helfen. Nett. Echt. Nur Mitte 30. Was dann doch ein bisschen alt ist. Und was er anscheinend ganz anders sieht. Er gab mir seine Karte, ich solle mich doch mal melden, er würde sich sehr freuen, wenn wir mal was zusammen unternehmen könnten. Jo, danke. Die Karte wurde ins Zimmer transportiert und ist dann merkwürdigerweise nie mehr aufgetaucht. Hups. Umso überraschter war ich, als mich André da am anderen Ende, zu seiner Geburtstagsfeier einlud. Aber wieso nicht. Immer gerne. Und so machte ich mich am Donnerstag mit meiner Gastmutter auf, um André einen Besuch abzustatten und mit ihm seinen Ehrentag zu begehen.

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